Die Ausstellung der Keramik vom 18. Jh. bis 1945
Die Ausstellung beginnt mit auf der Töpferscheibe gedrehten Krügen aus der ersten Hälfte des 18. Jh. Die Krüge haben kugelige, schräg gerippte Bauchungen, zylindrische Hälse und Zinndeckel, die mit einem Scharnier am Henkel befestigt sind. Die Deckel tragen häufig die eingravierten Initialen und Daten der Besitzer. In die Innenseite sind manchmal die Punzen der Zinngieβereien eingeprägt. Oft sind sie von auβerhalb von Bunzlau. Das bedeutet, dass man die Krüge erst mit der Zinnmontierung versah, nachdem sie in einer anderen Stadt erworben worden waren. In den folgenden Jahren wurden die Krüge melonenförmig, ihre Rippung feiner. Zu den seltenen Exemplaren gehört die ausgestellte kugelige und achteckig abgeflachte Reisekruke mit zinnernem Schraubverschluss.
Melonenkrüge mit Deckel, II. Hälfte des 18. Jh.
Ab Mitte des 18. Jh. treten an die Stelle der gerippten Krüge Gefäβe mit ähnlicher Form, jedoch glatten Bauchungen. Auch sie waren mit brauner Lehmglasur überzogen, von der sich weiβe Dekorauflagen abhoben. Die Auflagen wurden in Formen gepresst und vor dem Brennen auf die Gefäβe geklebt. Hauptsächlich waren es reliefierte Blumen und Ranken, die ein Frontmotiv umgaben. Die häufigsten Motive waren Stadtwappen, der preuβische Adler, das Staatswappen von Sachsen, das Lamm Gottes, die Gestalten von Adam und Eva. Das letzte Motiv war das Wahrzeichen der BunzlauerTöpferzunft und zugleich das Symbol des ältesten Handwerks. Eine interessante und zudem recht seltene Darstellung bilden die Freimaurersymbole, die einen groβen Krug von 1888 schmücken. Er gehörte der seit 1849 agierenden Bunzlauer Loge ,,Zur Goldenen Kette’’.
Krüge und Gefäß mit Dekorauflagen, II. Hälfte des 18. Jh.
Krug und Gefäß mit Dekorauflagen, 18. Jh.
Krüge mit Dekorauflagen, 18. Jh.
Gefässbruchstück (1) Gefässbruchstück (2)
Neben den Wein- und Bierkrügen wurden seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. kleinere, schlankere Krüge für Kaffee hergestellt, der zu jener Zeit in Schlesien immer beliebter wurde. Immer häufiger haben die Kaffeekannen anstatt Zinndeckeln Keramikdeckel mit Dreispitzknopf. Mit weiβen Dekorauflagen versah man Teller, Schreibtischgarnituren, Dosen verschiedener Art und Vasen. Zu jener Zeit wurden die Gegenstände meist nicht signiert. Eine Ausnahme ist ein Teller aus dem Jahre 1862 mit der Unterschrift des Naumburger Töpfermeisters Acker am Boden. Naumburg galt als zweitgröβtes Keramikzentrum in Schlesien.
Krüge mit Dekorauflagen, 18. Jh.Krüge, Anfang des 19. Jh.
1796 entwarf Karl Daniel Friedrich Bach, Professor an der Königlichen Kunsthochschule zu Breslau, eine Reihe von Gefäβen in ,,etruskischem’’ Stil für das Bunzlauer Zentrum, um das herkömmliche Design abwechslungsreicher zu gestalten. Die ansässigen Töpfer, die genügend Absatz für ihre althergebrachten Erzeugnisse hatten, nahmen die neuen Formen und Muster nicht an. Nur J. G. Gothard jun. stellte eine Reihe von Gefäβen nach den Entwürfen von Bach her.
Ein wichtiger Durchbruch in der Bunzlauer Keramik gelang Johann Gottlieb Altmann (1780-1851) mit der Erfindung der bleifreien Feldspatglasur. Bis dahin enthielt die Glasur Bleioxyd und hatte sich dadurch als gesundheitsschädlich erwiesen. Altmann verwendete auch erstmalig für Gefäβe die zuvor nur für aufgelegten Dekor eingesetzte Keramikmasse. Von den Arbeiten dieses herausragenden Künstlers sind vor allem die Tassen mit Reliefdekor mit antiken Motiven bemerkenswert. Altmann richtete sich hier nach Entwürfen von Carl-Friedrich Schinkel (Leihgabe des Nationalmuseums in Wrocław).
Krüge mit Dekorauflagen, 18. Jh.Krüge mit Dekorauflagen, II. Hälfte des 18. Jh.
Die Bunzlauer Töpfermeister übernahmen die technischen Neuerungen, blieben jedoch bei den alten Formen. Sie stellten vornehmlich Haushaltsgeschirr her, braunglasierte bauchige Krüge, schlanke Kaffeekannen, Fischformen und Formen zum Kuchenbacken.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. erschienen bunte Emaille- und Fayencegefäβe auf dem Markt. Dadurch sank das Interesse für das braun glasierte Tongeschirr. Nun begannen die Bunzlauer Töpfer die Tongefäβe mit weiβem Ton zu engobieren und sogar ganze Gefäβe daraus herzustellen. Sie verzierten die Gefäβe farbig – zunächst mit Schwämmchen, später mit Gummistempeln mit verschiedenen Formen – Kreisen, Punkten, Fischschuppen, Pfauenaugen, Dreiecken oder Kleeblättern. Verschiedene Werkstätten benutzten dieselben Muster, die sich nur in ihrer Farbe unterschieden. Meistens war die gesamte Fläche des Gefäβes dicht mit demselben Muster bedeckt. Manchmal belieβen die Töpfer die Gefäβe jedoch weiβ und umrandeten nur die Henkel und die Schnauzen mit einem farbigen Stempelkranz. Die dominierenden Farbtöne waren Kobaltblau, Chromgrün, Braun und Ocker.
1897 beschloss die Stadt eine staatliche Fachschule für Töpferei und Keramik ins Leben zu rufen. Ihr Direktor wurde Dr. Wilhelm Pukall, zuvor technischer Leiter der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin.
Das Bildungssystem strebte vor allem nach der Vermittlung von technischem Wissen, hielt jedoch die Ästhetik der erzeugten Gegenstände für ebenso wichtig. Die Zusammenarbeit zwischen der Keramikschule und den Keramikwerken ermöglichte die Einführung vieler Innovationen. Die Töpferscheibe wurde von der Gussmethode verdrängt. Es kamen neue Dekore auf – geflossene und Lüsterglasuren. In den zwanziger Jahren des 20. Jh. kamen die Aufspritz-, die Malhorn- und die Einlegetechnik (Glasurintarsia) auf.
Krüge mit Dekorauflagen, 18. Jh.Vasen, Keramische Fachschule, 1913, Gabe Brigitte Werner
Besonders interessiert an einer engen Zusammenarbeit mit der Königlichen Keramikschule waren die Keramikwerke von Julius Paul (1893 gegründet), von Hugo Reinhold (gegr. 1897), von Robert Burdack (gegr. 1881) und von Carl Werner (bis 1919 von ihm geführt).
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. begannen die Keramikwerke ihre Erzeugnisse zu signieren – an der Unterseite des Gegenstandes befanden sich charakteristische Zeichen oder Stempel.
Die Besucher können in der Ausstellung die Unterschiede im Design der einzelnen Betriebe erkennen. Das Werk von Paul wendete in seiner frühen Phase meistens das Pfauenaugenmotiv in Kobaltblau, Grün und Braun an. Bei Bestellungen zu besonderen Anlässen stellte man auch Formen mit Vergoldungen her.
In den zwanziger Jahren überwog im Dekor des Bunzelgeschirrs wieder ein warmer Braunton, nicht als Färbung der gesamten Glasur, sondern als Farbe der geometrischen und pflanzlichen Muster (stilisierte Blätter, Rosenblätter, Edelweiβ), die mit Schablonen aufgetragen wurden.
Höchst interessant ist das Design der Reinholdschen Werke, das in Zusammenarbeit mit den Professoren der Keramikschule entstand. Beispiele sind hier das grüne Service mit feiner goldener Musterung im Art-déco-Stil, das von W. Waldeyer entworfen wurde sowie die mit geflossenen Glasuren (mit Malereieffekt) bedeckten Vasen. Einflüsse des frühen Jugendstils sind hier deutlich erkennbar.
Vasen mit geflossener Glasur, Hugo Reinhold
Das Werk von Carl Werner in Tillendorf (heute der hinter dem Bober gelegene Stadtteil Zabobrze) brachte auf Mattglasuren weiβe und schwarze linien- und wellenförmige Dekore auf. Wegen der geringen Zahl der erhaltenen Gegenstände ist das Design des Werkes von Robert Burdack nur sehr bescheiden vertreten – Beispiele für die verschiedenfarbige Glasurintarsia.
Kanne und Becher zur Limonade, Ostdeutsche Keramik Karl Werner & Co. Tillendorf, 30. Jahren 20. Jh.
Dose und Kelch, Robert Burdack, um 1910, Gabe Brigitte Werner
Das Design von Hermann Kühn aus Ullersdorf am Queis ist an einer Vielzahl von Erzeugnissen zu verfolgen. Auβer der Stempeltechnik sind für sein Design ein realistisches Maldekor und Motive stilisierter Blüten in Verbindung mit Stempelchen bezeichnend.
Obstschale mit Stempeldekor, Hermann Kühn, um 1920
1936 gaben der Direktor der Keramikschule Eduard Berdel und Professor Fritz Theilmann den Anstoβ zum Zusammenschluss von sechs Keramikwerken. Die Waren dieser Betriebe wurden auf der Töpferscheibe gedreht, mit Lehmglasur überzogen, mit weiβem Auflagendekor oder mit dem Malhorn verziert. Die von alten Keramikformen inspirierten Erzeugnisse trugen das Signum BB (Bunzlauer Braunzeug).




