Das Städtische Museum zu Bunzlau wurde 1908 gegründet. Der Entwurf für den Umbau eines schon bestehenden Gebäudes und des damit verbundenen Wehrturmes aus dem 15. Jh., der Teil der Stadtbefestigungen war, stammte von dem Stadtarchitekten Balzer.
Gebäude um 1906 Museumgebäude, Ansichtskarte um 1911
Die Bauarbeiten leitete Peter Gansel jun. Zur Entstehung des Museums trugen viele angesehene und verdiente Bunzlauer bei-ganz besonders der Sammler und Kunstkenner Max Hoehne aus Berlin – ein gebürtiger Bunzlauer, ferner kirchliche Vereine, der Schützenverein und die Vertreter der Zünfte. Am 21. Mai 1911 erfolgte die Eröffnung des Museums für das Publikum.
Museumgebäude, Ansichtskarte um 1911-1915
Das Museum beinhaltete archäologische und ethnographische Sammlungen, kunsthandwerkliche Gegenstände und eine reichhaltige Keramiksammlung aus Bunzlauer Keramikwerkstätten und solchen der Umgebung, ein Porträt des in Bunzlau geborenen Dichters Martin Opitz und andere wertvolle Bilder sowie geschichtliche Urkunden und einen groβen Bücherbestand.
Ausstellungssaal, Ansichtskarte um 1930-1937 (1) Ausstellungssaal, Ansichtskarte um 1930-1937 (2)
Im unteren Turmsaal, der als Kapelle entworfen wurde, befand sich eine in Holz geschnitzte Pieta aus dem 15. Jh. und ein Altar aus den Jahren 1760-1780. Groβen Interesses erfreuten sich der sogen. „Groβe Topf’’ von Johann Gottlieb Joppe aus dem Jahre 1753 und die „Singuhr” (Singuhr, Ansichtskarte um 1920-1937) – eine Art Drehbühne mit 6 Szenen aus dem Leidensweg Christi – ein Werk von H. Jacob aus den Jahren 1784-1797.
Nach einer durch den I. Weltkrieg verursachten Unterbrechung nahm das Museum 1920 seine Tätigkeit, an der sich Artur Schiller, der Mitbegründer des Oberschlesischen Museums in Gleiwitz (Gliwice) rege beteiligte, wieder auf. Den II. Weltkrieg überstand nur das Museumsgebäude. Die Sammlungen gingen verloren. Ihr Schicksal konnte trotz intensiven Suchens nicht aufgeklärt werden. Am 27. Dezember 1953 begann das Museum in Bolesławiec seine neue Tätigkeit mit Ausstellungen, die von dem damaligen Schlesischen Museum (jetzt Nationalmuseum) in Wrocław (Breslau) vorbereitet wurden. Dieses betreute die Museen in Schlesien in fachlicher Hinsicht bis 1975. Nach einigen Jahren musste das Museum infolge starken Feuchtwerdens der Mauern geschlossen werden. Nach beendeter Renovierung wurde das Museum am 17. Juni 1967, nun schon als Keramikmuseum, wieder eröffnet. Für die Wahl der Spezialisierung war die Jahrhunderte lange Tradition der Keramik in dieser Region entscheidend. In der Umgebung der Stadt befinden sich im Einzugsgebiet von Bober (Bóbr) und Queis (Kwisa) natürliche Lagerstätten von feuerfestem Ton, der bei 1280°C gebrannt, einen für Flüssigkeiten undurchlässigen und sehr haltbaren Scherben ergab. Hier gibt es auch Vorkommen von braunbrennenden Glasurlehmen, die bei dem Glasieren der Gefäβe Anwendung finden. Die Töpferkunst entwickelte sich in der Region vor Jahrhunderten. Bereits 1380 erscheint in der Stadtchronik von Schweidnitz (Świdnica) der Name eines Bunzlauer Töpfers. 1511 wurde die Töpferzunft erwähnt sowie ein Privileg, das die Anzahl der in der Stadt tätigen Töpfereien auf 5 beschränkte. Dadurch waren Töpfergesellen, die neue Werkstätten gründen wollten, gezwungen sich in umliegenden Ortschaften wie Naumburg (Nowogrodziec) oder Ullersdorf am Queis (Ołdrzychów) anzusiedeln. Dieses Privileg der Bunzlauer Töpfer wurde erst 1762 unter Druck der preuβischen Regierung aufgehoben. Als das Museum Mitte der sechziger Jahre seine Tätigkeit wieder aufnahm, besaβ es keine eigenen Sammlungen. Die Ausstellung ,,Bunzlauer Keramik vom 17. Jh. bis zur Gegenwart’’ basierte auf den Sammlungen des Breslauer Museums. Mit der Zeit konnten die meisten Leihgaben durch eigene Exponate ersetzt werden, die von den niederschlesischen Museen in Chojnów (Haynau), Kamienna Góra (Landeshut), Wałbrzych (Waldenburg) und Ziębice (Münsterberg) übernommen oder antiquarisch erworben wurden oder auch Gaben von Privatpersonen waren. Die Exponate zeitgenössischer Keramik in der Sammlung des Keramikmuseums sind hauptsächlich Gaben der Genossenschaft ,,Ceramika Artystyczna’’ und des Keramikwerkes ,,Bolesławiec’’.
Ausstellungssaal bei Mickiewiczastrasse, 2003
1991 erhielt das Keramikmuseum das Gebäude des von den Russen verwalteten Kutusow-Museums. Nach einer mehrere Jahre dauernden Renovierung wurde in dem Gebäude am 17. Juni 1995 die Abteilung für Stadtgeschichte eröffnet. In Vorbereitung ist eine ständige Ausstellung, die der Geschichte Bunzlaus gewidmet ist. Gleichzeitig werden Sonderausstellungen veranstaltet, die ausgewählte Probleme aus der Vergangenheit der Stadt veranschaulichen.
Gebäude bei Kutuzowstrasse, Ansichtskarte 1966 Eingang zu dem Gabäude bei Kutusowstrasse, Ansichtskarte 1955


