Dauerausstellung der Abteilung für die Stadtgeschichte
Am 22. August 2009 wurde in dem Gebäude in der Kutusowstraße eine Dauerausstellung eröffnet, die der Vergangenheit der Stadt gewidmet ist. Die Vernissage beendete mehrere Jahre der Arbeit von sowohl den Keramikmitarbeiter als auch zahlreichen Stadtgeschichtefreunde. In der von den Russen übergebene Gebäude, wo bisher Kutusowmuseum war, nahm im Jahre 1995 die Abteilung für die Stadtgeschichte ihre Tätigkeit auf. In dem Gebäude wurden Sonderausstellungen präsentiert, die ausgewählte Themen aus der Geschichte der Stadt betrafen.
Archäologische Sammlungen
Die archäologische Sammlung des Museums veranschaulicht die älteste Geschichte der Bunzlauer Gegend – vom Mesolithicum bis zur Neuzeit (von ca. 8000 v .u. Z. bis zum 17. Jh.). Die ältesten historischen Gegenstände sind mesolithische Feuersteinartefakte sowie zwei neolithische Beile, die in einer rekonstruierten und mit Maßstab versehenen Erdhütte, aus der Zeit der linienbandkeramischen Kultur präsentiert werden. Die ausgestellte Keramiksammlung stammt von archäologischen Grabungen, die vom Keramikmuseum durchgeführt wurden. Den überwiegenden Teil bilden Gefäße und Gefäßbeigaben – Fundstücke aus der Lausitzer Urnenbegräbnisstätte in Neuen/Nowa, Gemeinde Bunzlau. Sie werden zusammen mit den Beigaben in einem mit Steinen umstellten rekonstruierten Grab gezeigt. Lausitzer alltägliche Gebrauchsgegenstände sind in einer Behausung aus jener Zeit zu sehen. Die interessantesten Exponate aus der Zeit der Lausitzer Kultur befanden sich in einem Schatz von Bronzegegenständen, der in Altöls/Stara Oleszna Gemeinde Bunzlau gefunden wurde. Aus der Ortschaft Alzenau/Olszanica, Gemeinde Adelsdorf/Zagrodno stammen die Ausstellungsstücke aus der Festung des Raubritters Christoph. Darunter sind Keramikgefäße, Hufeisen und Teile der für das späte Mittelalter charakteristischen Waffen. Die spektakulärste archäologische Entdeckung stammt aus der Bunzlauer Sandstr./ul. Piaskowa – es ist die Abfallgrube von 5 neuzeitlichen Töpfereien der Stadt. Unter den unterschiedlichen Keramikscherben wurden auch ganze Gefäße, Unterlagen zum Brennen von Gefäßen, Brandprobestücke, Topfkacheln und Flachkacheln, Ziegeln und Schlacken vom Ofen sowie Teile von Keramikspielzeug.
Bunzlau vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert
Um die Wende des 16. und 17. Jh. wurde Bunzlau als Wiege und Paradies der neuzeitlichen schlesischen Dichtung bezeichnet. Hier wurden zahlreiche sehr bekannte Dichter geboren, die die sogenannte erste Schlesische Dichterschule bildeten: Martin Opitz, Andreas Tscherning, Andreas Scultetus, Christoph Colerus und auch der bekannte Grafiker David Tscherning und die Astronomen Kaspar Knoll und Christoph Neubarth. In der Museumssammlung befinden sich Gegenstände, die die Gestalt von Martin Opitz, dem Schöpfer der deutschen neuzeitlichen Dichtung dem Besucher näherbringen: eine barocke Grafik mit dem Bildnis des Dichters, eine Kopie seines barocken Ölporträts von Strobel (das Original befindet sich in Danzig/Gdańsk befindet) und eine im 17. Jh. herausgegebene Gedichtsammlung („Geistliche Poemata“). Ein wertvoller Neuerwerb sind die Stadtchroniken, ganz besonders die Abschrift der Stadtchronik Friedrich Holsteins (17. Jh.). Sie ist die älteste geschichtliche Bunzlauer Überlieferung. Ferner werden in der Ausstellung Zinn- und Glasgefäße gezeigt, Münzen und Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die mit dem alten Bunzlau verbunden sind. Die aus dem 19. Jh. stammenden Grafiken von C. T. Mattis und E. W. Knippel, ein Ölgemälde von Hermann Schäfer mit dem Panorama der Stadt von 1924, alte Fotos und Karten sowie ein Modell von Bunzlau im Maßstab 1:5000 runden das Wissen über die Geschichte der Stadt ab. Sehenswert ist auch eine Serie von Zeichnungen von Artur Hennig, einem geschätzten Maler und Keramiker, Professor der Bunzlauer Keramischen Fachschule. Die Zeichnungen waren Entwürfe für das Glasfenster mit der Szene des „Jüngsten Gerichtes“.
Die Apotheken
Im Jahre 1558 gründete Heinrich Weißkopf die älteste Bunzlauer Apotheke – „Die Kgl. privilegierte Stadtapotheke zu Bunzlau”. Sie befand sich in der Südzeile des Marktplatzes, heute Rynek 7. Als die Apotheke Mitte des 19. Jh. Karl Wolf gehörte, war Hermann Mueller als Apothekergehilfe beschäftigt. Dieser begann 1856 die in ganz Deutschland bedeutendste Branchenzeitschrift – die „Pharmazeutische Zeitung” – herauszugeben, die heute noch erscheint. Die nächste Apotheke – die „Sternapotheke“ – an der Schlosspromenade/ul. Kubika 12 wurde erst 1886 von dem Apotheker Seidel gegründet und war später im Besitz von Karl Krebs. Die „Adlerapotheke“ in der Bahnhofstr./ul. Daszyńskiego 9 stammt aus dem Jahre 1920. Die erste Apotheke der Nachkriegszeit eröffnete Marceli Najder bereits 1945. Die komplette alte Einrichtung eklektizistischer Apothekenmöbel, die in der Abteilung für Stadtgeschichte des Bunzlauer Museums ausgestellt ist, stammt von 1893. Diese Möbelgarnitur wurde für die Stadtapotheke in Naumburg a. Queis /Nowogrodziec im Auftrag ihres Besitzers (von Häckel) hergestellt. Diese vor 1690 gegründete Apotheke befand sich ursprünglich in der nach Bunzlau führenden ul. Bolesławiecka und wurde später in ein Haus am Marktplatz in der Nordzeile versetzt. Das königliche Privileg erhielt sie im Jahre 1791. In der Nachkriegszeit wurde der größte Teil der Möbel in die Apotheke „Pod Wrzosem“ /Heideapotheke/ gebracht, wo sie sich bis Dezember 2005 befanden.
Sammlungen aus der napoleonischen Zeit
Die von Grund auf angelegte Sammlung ist mit Napoleons Zeit und seinen Aufenthalten in Bunzlau und in Schlesien verbunden. Sie umfasst Sammlungen von Militaria, Grafiken, Möbeln und Gegenständen aus der Ausrüstung der Soldaten. Zu den interessantesten Ausstellungsgegenständen gehören ein französischer Kürassiersäbel von 1813 aus dem kaiserlichen Betrieb in Klingenthal sowie zwei Säbel der französischen Leichtkavallerie: einer aus der Zeit der Revolution, der andere ein AN XI-Modell. Von den Feuerwaffen sind bemerkenswert: ein englisches Baker Rifle Gewehr mit Steinschloss Brown Bess, wie es auch von der preußischen Landwehr 1813 gebraucht wurde, eine französische Baker Rifle Pistole vom Modell AN XIII aus der Fabrik in Saint Ètienne und ein Baker Rifle Gewehr vom Anfang des 18. Jh. (etwa 1701-1705) aus der Fabrik in Suhl. Unter den übrigen Militariagegenständen sind besonders nennenswert: eine Sammlung von mehreren zehn Artilleriegeschossen von der Wende des 18. und 19. Jh. Manche Geschosse sind massive Kanonenkugeln oder mit Schwarzpulver gefüllte Granaten. Die Größte unter den letzteren ist eine Mörserbombe, Kaliber 10,8 Zoll, Gewicht 50 kg. Die Sammlung von Grafiken zeigt Szenen mit führenden Persönlichkeiten der Epoche. Darunter sind Napoleon, Zar Alexander I., Generalfeldmarschall Blücher und Soldaten der napoleonischen Armee. Zu den interessantesten Grafiken gehören: eine französische Grafik mit dem Einmarsch der Franzosen in Moskau im Jahre 812, die Szene mit dem Sieg des Fürsten Jérôme Bonaparte über die Preußen vor den Mauern von Breslau im Jahre 1807 sowie der Plan der Schlacht an der Katzbach/Kaczawa im Jahre 1813.
Ikonografische Sammlungen
Die im Bunzlauer Museum zusammengetragene Sammlung von Ansichtskarten zählt über tausend Exemplare. Den größten Teil bilden Ansichten von Bunzlau vom Ende des 19. Jh. bis in die vierziger Jahre des 20. Jh. Darunter sind jedoch auch Ansichtskarten aus anderen Ortschaften des Kreises. Den Grundstock der Kollektion stellt eine Sammlung von Ansichtskarten dar, die von der Stadt anlässlich des 750. Jahrestages von Bol von dem privaten Sammler Edward M erworben wurde. Besonders sehenswert ist auch eine Serie von Fotos, die der Sammler Z. M. dem Museum übereignete. Es sind etwa 30 Fotografien, größtenteils aus dem 19. Jh. (die ältesten sind auf die Zeit vor 1867 datiert).
Bolesławiec nach 1945 Eine umfangreiche Reihe von archivalischen Aufnahmen bringt dem Besucher die Geschichte der Stadt näher. Dieser Kollektion besteht aus den Sammlungen einiger Fotografen, die lange Jahre in Bolesławiec tätig waren. Am repräsentativsten ist die Kollektion von Alojzy Skorupa – sie dokumentiert die Veränderungen in B von 1946 an bis zum Beginn der achtziger Jahre. Den ältesten Teil der Sammlung schenkte A. Skorupa dem Museum 1968, den restlichen Teil übereignete seine Tochter Aleksandra Kornosz – dem Museum im Jahre 1996. Die Sammlungen der Fotografen Henryk Piotrowski, Edward Opała und Bolesław Marecki, die die wichtigsten Ereignisse in der Stadt im letzten Vierteljahrhundert dokumentieren, wurden dem Museum 2008 geschenkt. Die archivalischen Fotografien beschreiben sehr eindrucksvoll die Wendepunkte in der neuesten Geschichte von Bol: den Wiederaufbau der Stadt und ihre Besiedlung durch Emigranten aus dem einstigen Jugoslawien, aus Frankreich und durch Umsiedler aus den polnischen Ostgebieten, die politischen Verfolgungen durch den Staatssicherheitsdienst, die Entwicklung der städtischen Institutionen, der Organisationen und Vereine, die Geburt und Entwicklung der Untergrundbewegung S und nicht zuletzt die Geburt der Demokratie und des Systems der Selbstverwaltung. Eine Ergänzung für die Fotos bilden Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die den Umsiedlern gehörten sowie Schriftstücke, Urkunden und Briefe aus dem Archiv der hiesigen Abteilung der Gewerkschaft Solidarność und anderer lokaler Institutionen.
Lapidarium
Zu der Museumssammlung gehören außerdem monumentale alte Skulpturen aus Bolesławiec und seiner Umgebung. Die barocke Jupiterfigur – ein Werk von G. L. Weber und die von einem Grabmal stammende Plastik einer jungen Frau oder auch Fragmente des Renaissanceportals von dem Schloss in Kroischwitz/Kraszowice werden in Zukunft in einem Lapidarium ausgestellt werden, das im Museumsgarten entsteht.




